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Advent ist, wenn der Muskel brennt

Getreu diesem Motto starteten wir eine neue Trainingswoche in Sevilla. Bei fast schon sommerlichem Wetter haben wir die letzten Einheiten dort genutzt, um uns nochmal im Achter zu messen. Angefangen mit langen Ausdauer-Einheiten, in denen wir mit zwei Achtern „zusammen“ trainieren sollten, endeten wir jedes Mal in eine gefühlte 20km-lange Belastung bei Schlagzahl 20. Ganz schön anstrengend. Aber es hat Spaß gemacht mit beiden Achtern auf hohem Niveau zu trainieren und uns gezeigt, was unser Standard sein kann und auch werden muss. Zum Abschluss des Trainingslagers sind wir noch 2x 1000m gegeneinander gefahren und „fertig war die Laube“ wie unser Trainer Trampas zu sagen pflegt.

Bei der Rückreise – wie sollte es anders sein – erwartete uns wieder eine Überraschung. Diesmal aber nicht Iberia oder Vuelling geschuldet, sondern auf Grund eines DRV-internen Fehlers. Kurz gesagt – in unserer Flugliste stand eine falsche Abflugszeit und wir verpassten unseren Flieger um geschmeidige 2 Stunden. Da wir aber noch schnell andere Flüge buchen konnten, kamen wir trotz alledem pünktlich in Düsseldorf an und konnten uns auf zu Hause freuen.

Der Gegner schläft nicht und wer rastet, der rostet

IMG-20151220-WA0003Deshalb haben Kerstin und ich die Abwesenheit der Boote, die sich noch auf dem Weg nach Dortmund befanden, genutzt, um uns wieder auf das Zweierfahren einzustimmen und sind auf Slides geörgt. Das ist mal eine schöne Abwechslung zum stumpfen ergofahren, zumal man sich auf Slides tatsächlich wie im Boot fühlt, nur dass es nicht wackelt. Zum Ergo fahren kam intensivstes Krafttraining, bei dem wir es uns immer nicht nehmen lassen mehr Gewicht zu  nehmen als die andere. Wenn das nicht mehr geht, dann müssen größere Hantelscheiben genommen werden, die dann zumindest nach mehr Gewicht aussehen… 😉

Die letzten Tage bis Weihnachten werden wir auch noch gemeinsam trainieren und da meine Kommilitonen schon gen Heimat gereist sind bleibt mir nichts anderes, als die Zeit für mein Studium zu nutzen, was in Sevilla etwas auf der Strecke geblieben ist. Die Erholung kommt dann an den Weihnachtstagen, die ich mit meiner Familie in Leverkusen verbringen werde. Da gehört ein Besuch im Ballett „Der Nussknacker“ genauso zum Programm wie das alljährliche Wiedersehen mit meinen Schulfreunden.

Also euch allen einen frohen 4. Advent ohne dass irgendwas brennt 😉

Eure Marchi

Das Titelbild stammt von Tobias Schad

Wer zuletzt lacht….

Hallo ihr Lieben,

Nach langer Sommerpause und unregelmäßigem Einträgen, melden wir uns nun endlich wieder regelmäßig zu Wort.

In den vergangenen Wochen ist viel passiert. Unser Weg nach Rio begann letzte Woche mit Ergotest und Langstrecke in Dortmund, sowie harten Entscheidungen und nimmt nun in Sevilla mit viel Training seinen Lauf. Mit unserem neuen Bereichstrainer Ralf Müller – mit dem wir bereits 2012 erfolgreich die Nachqualifikation für die Olympischen Spiele erreichen konnten
– und Werner Nowak alias Trampas als Trainerduo, sowie 18 Athletinnen sind wir am Mittwoch nach Sevilla angereist. Diese 18 Athletinnen bilden den erweiterten Kaderkreis, aus dem sich in den nächsten Wochen der Zweier, der Achter und die Ersatzleute bilden werden. An dieser Stelle möchten wir uns noch mal bei allen, die uns in den vergangenen drei Jahren auf dem Weg begleitet haben und jetzt nicht in diesem Kreis dabei sind, bedanken. Ihr habt die Gruppe mit viel Herzblut, Schweiß und Kraft unterstützt und ihr Leben gegeben.

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Miri, Leah, Sara und Melle bleiben zurück, Gudrun und Frauke leisten seelischen Beistand

Dass bei einer Anreise nach Sevilla das ein oder andere Gepäck mal auf der Strecke bleibt, sind wir von den vergangen Jahren ja gewohnt. Diese Anreise stand jedoch wahrlich unter keinem guten Stern. Zunächst mussten wir in Düsseldorf vier unserer Mitstreiterinnen schon am check-in zurück lassen, da Reisebüro und Airline Kommunikationsschwierigkeiten hatten und die vier Mädels bei der Airline nicht im System auftauchten. Nach vielem Hin und Her und telefonischen Engagement von Annika Wing, Laura und dem Reisebüro konnte für die vier noch für den Tag ein anderer Flug gefunden werden. Nachdem jede von uns anderen froh war, problemlos eingecheckt zu haben, wurde unsere Freude darüber schnell gedämpft. Kurz nachdem unser Flugzeug die Parkposition verlassen hatte, standen wir nämlich schon wieder. Unser Vorderreifen war beschädigt und wir mussten auf Hilfe warten.

Ausharren im Flieger
Ausharren im Flieger
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Vermisstenanzeigen für unsere Taschen

Knapp 2 Stunden später fanden wir uns also wieder im Flughafengebäude und warteten auf einen Ersatzflug. Dank eines 6 € Gutscheins konnte der gröbste Hunger gestillt und die Gemüter etwas besänftigt werden. Unsere vier Kolleginnen befanden sich derweil schon im Anflug auf Barcelona. Eine Stunde und ein repariertes Flugzeug später konnten wir dann auch endlich abheben und uns auf dem Weg gen Spanien machen. In Barcelona gab es dann beim Umsteigen ein großes Hallo, denn die Reisegruppe aus Düsseldorf war wieder vereint. Am Ende
waren die vier Mädels, die wir am Anfang der Reise noch bemitleidet hatten, da es zunächst so schien als müssten sie einen Tag später Anreisen, die Gewinnerinnen. Im Gegensatz zu uns anderen aus Düsseldorf angereisten konnten sie in Sevilla ihre Taschen vom Band heben. Wie heißt es so schön? Wer zuletzt lacht, lacht am Besten.

Nun sind alle wieder mit Koffern ausgestattet und alles nimmt seinen geregelten Gang. Die ersten Einheiten auf dem Wasser sind absolviert, Kraft-, Stabi- und Radeinheiten standen auch schon auf dem Programm. Der Fokus liegt bei unserer täglichen Arbeit ganz klar auf dem Achter, da wir dort eine große Aufgabe vor uns haben, der wir uns mit Spaß an der Sache, Willen und konzentrierter Arbeit widmen. Die ersten Einheiten im Achter machen dazu Mut.

Nun wünsche ich euch noch einen schönen zweiten Advent und hoffe, dass euch auch der Nikolaus besucht hat.

Liebe Grüße

Ronja

Erfolgreiches Trainingslager in Sevilla – Im Februar nach Sabaudia

Thomas Affeldt glaubt an das „Projekt Frauenachter“

Lange Zeit waren sie etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Doch das soll sich bald ändern. Die Rede ist von den Riemen-Ruderinnen aus dem Dortmunder Leistungszentrum, die bei der EM in Sevilla Silber im Zweier und Achter holten und damit für eine gewisse Aufbruchstimmung sorgten. Unter der Leitung von Thomas Affeldt soll es weiter aufwärts gehen. „Natürlich müssen wir kleinere Brötchen backen als die Männer. Aber unser langfristiges Ziel ist die Olympiateilnahme mit dem Achter und dem Zweier ohne 2016 in Rio de Janeiro“, erklärte Bundestrainer Affeldt. Mit im Trainerteam sind noch Werner Nowak als Stützpunkttrainer und Friwi Bücker als U-23-Koordinatior.

Vor gut acht Monaten hat Affeldt das „Entwicklungsprojekt“, wie er die Arbeit mit den Frauen nennt, übernommen. Offiziell ist er verantwortlich für die Riemen-Ruderinnen, arbeitet aber gleichzeitig auch mit einigen der besten deutschen Skullerinnen wie Carina Bär oder Lisa Schmidla zusammen. Etwas kompliziert ist die Aufteilung schon. In Dortmund trainieren tagtäglich circa zwei Drittel der national besten Riemen-Ruderinnen und etwa die Hälfte der starken deutschen Skullerinnen, der Rest verteilt sich auf die anderen Bundesstützpunkte. Zu den gemeinsamen Trainingsmaßnahmen kommen die Skullerinnen meistens in Berlin und der Riemenkader in Dortmund zusammen.

Mit einem Aufgebot von 22 Ruderinnen, zwei Steuerfrauen und zwei weiteren Betreuern reisten Affeldt und Nowak über die Jahreswende ins Trainingslager nach Spanien. Für zwei Wochen ging es nach Sevilla, wo die Dortmunder Gruppe ideale Bedingungen antraf. Sonne pur und nur einen Tag Regen. „Mit etwa 190 km Rudern pro Woche und den zusätzlichen Trainingseinheiten an Land haben wir rund 30 Prozent mehr trainiert als zuhause am Stützpunkt“, so Affeldt: „Ich habe selten so guten Bedingungen in einem Lehrgang vorgefunden. Das Training hat dem Team viel gebracht.“

Die Aufgabe, die sich das Trainerteam gestellt hat, ist alles andere als leicht. Denn im Gegensatz zum erfolgreichen Skull-Bereich lief es bei den Riemen-Ruderinnen bis zum vergangenen Sommer alles andere als wirklich rund. Da holte die junge, neu zusammengestellte Mannschaft zweimal EM-Silber in Sevilla, der erste kleine Höhepunkt eines Neuanfangs. Die Arbeit von Bundestrainer Thomas Affeldt bestand dabei hauptsächlich erst einmal darin, die wenigen leistungsfähigen Athletinnen des Bereichs wieder zusammenzufassen und innerhalb von wenigen Wochen vorzubereiten. Der Nachwuchsbereich konnte bei den U23-Weltmeisterschaften im Zweier Silber und im Achter Bronze erkämpfen, was für die Zukunft hoffen lässt.

Die Ziele sind klar: Aus dem Projekt „Frauenachter“ soll ein personell schlagkräftiger Kader entstehen, der die Olympiaqualifikation 2016 im Achter sowie im Zweier erreicht, und im Skullen geht es dann auch um Medaillen, wie in London 2012. Von ersten Fortschritten lässt sich der 45-jährige Bundestrainer aber nicht blenden. Das sei eine schwierige Aufgabe, ein Prozess über Jahre, solch eine Gruppe aufzubauen und am Ende auch regelmäßig Erfolg zu haben. Der gebürtige Ratzeburger setzt auf Kontinuität und Gruppendynamik, die sich zwischen den Riemenruderinnen und den zurzeit noch „eine Klasse besseren Skullerinnen“ oder auch zwischen dem A-/B-Kadern und dem U23-Bereich abspielt. Am 20. Februar geht’s ins zweite Trainingslager. Diesmal für 14 Tage nach Sabaudia südlich von Rom.