Alle Beiträge von Kathrin Marchand

Wenn Träume wahr werden

Hallo ihr Lieben!

Diese Woche ist wohl eine der spannendsten seit sehr langer Zeit.

Ich kann mich noch gut an die Abschlussfeier der olympischen Spiele in London erinnern, als uns am Ende ein paar brasilianische Tänzer auf die Spiele in Rio 2016 eingestimmt haben. Damals habe ich noch gar nicht daran gedacht, ob ich dann überhaupt noch rudern werde, ob ich es dann ins Team schaffe. Wie mein Leben in 4 Jahren aussieht konnte ich mir noch nicht vorstellen, weil es in diesem Moment noch nicht wichtig war.

Seitdem hat sich einiges geändert. Mit jeder Trainingseinheit wusste ich immer mehr, dass ich es nach Rio schaffen will. Den Entschluss bis Rio weiterzumachen hatte ich also relativ schnell gefasst und da ich keine halben Sachen mache habe ich allen Ehrgeiz ins rudern gesteckt. Das hat mich selbst zwar auch einiges an Nerven gekostet aber Leistung geht nicht immer nur bergauf, man muss leider auch die Rückschläge in Kauf nehmen. Jetzt will ich hier aber keinen Revue-Blog schreiben, sondern berichten, was ich in dieser Woche erlebt habe.

Vor dem Abflug am Donnerstag blieben mir zwei schöne Tage zu Hause mit meiner Familie. Ein paar Freunde und meine Cousine mit Familie kamen einen Abend zum grillen vorbei und ich schaffte es ganz gut nochmal abzu

schalten und den Gedanken, dass etwas großes bevorsteht etwas wegzuschieben. Es tut immer gut, zwischen all den Trainingslagern und Wettkämpfen wieder etwas Erdung zu bekommen und sich über die alltäglichen Dinge des Lebens zu unterhalten. Wir leben zur Zeit so sehr in unserer eigenen Blase, dass man sehr schnell vergisst, dass der Sport nicht alles im Leben ist und dass es Sachen gibt, die mindestens genauso wichtig sind, auch wenn sie für mich derzeit sehr fern erscheinen.
Ich muss zugeben, dass ich die Nacht vor dem Flug nur sehr schlecht geschlafen habe. Immer wieder kam der Gedanke auf, dass morgen endlich der Tag ist, auf den wir so lange hingearbeitet haben. 4 Jahre lang haben wir alles getan, viele wichtige Menschen in unserem Leben mussten zurückstecken, außerruderische Freizeitaktivitäten wurden in den letzten Monaten immer weniger und wie ein Klub von innen aussieht weiß ich schon lange nicht mehr. Am morgigen Tag durften wir endlich die Reise antreten, die wir uns verdient haben. Ich musste an das Quali-Rennen auf der WM in Frankreich denken. 2sec langsamer und wir hätten es nicht geschafft. Überhaupt auf der WM im Zweier zu sitzen war nach dem Fahrradunfall zuvor schon ein Erfolg. Dann der ganze Winter. Jeden Tag bin ich aufgewacht und wollte es mir immer weniger nehmen lassen, am Ende nicht nur den Zweier qualifiziert zu haben, sondern auch drinzusitzen. Mit jedem Tag wurde der Wille stärker aber mit jedem Tag rückte auch das nationale Ausscheidungsrennen näher und die Nervosität stieg. Im Februar war dann klar, dass Kerstin und ich für den Zweier vorgeschlagen werden würden und das erste Ziel war erreicht. Da fiel mir ein großer Stein vom Herzen, denn jetzt konnten wir ‚entspannt‘ auf das nächste Ziel hinarbeiten: Olympisches Finale! Und morgen sollte der Tag kommen, an dem die Reise beginnt und wir zeigen können, was wir uns erarbeitet haben. Ich war voller Vorfreude.

Meine Eltern haben mich zum Bahnhof gefahren, von wo aus wir dann mit einem Teil der Mannschaft nach Frankfurt gefahren sind. Es sah schon schön aus, alle Mann und Frau einheitlich in derEinkleidung von Adidas.

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Etwas eng am Reck aber alles machbar

Am Flughafen angekommen bekam man dann immer mehr das Gefühl, dass jetzt etwas besonderes beginnt. Unser Gepäck haben wir an einem Sonderschalter abgegeben und im Flieger begrüßte der Kapitän die Olympiamannschaft. Nach einer kurzen Nacht sind wir auch pünktlich in Rio gelandet, von wo aus wir dann per Rio-Shuttle ins Dorf gebracht wurden. Aus London wusste ich ja schon ungefähr, was mich erwartet, aber dass es so gigantisch sein würde hätte ich nicht gedacht. An die 30 Hochhäuser mit jeweils 18 Stockwerken, in der Mitte ein Park mit Sportplätzen, Pool und Grünflächen, außenrum die Mensa, Krankenstation, Village Plaza, das NOC Büro, Athletes Area und ein unfassbar großer Fitnessraum. Die Eindrücke prasselten nur so auf uns ein und es hat mehr als einen Tag gedauert, bis wir wieder auf Betriebstemperatur waren und ein wenig Routine reinkam. Die nächste Zeit wird also viel Zeit für die kleinen Dinge des Lebens draufgehen. Zur Mensa läuft man 5-10min, die ‚Essensuche‘ dauert auf Grund der Größe weitere 10min, die Fahrt zur Strecke je nach Verkehr 50-70′. In den nächsten Tagen werden wir uns noch einen besseren Überblick über das Dorf verschaffen aber das dauert wohl ein paar Spaziergänge, bis man sich hier top auskennt.

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Blick aus dem Zimmer bei Nacht

In der restlichen Zeit, die uns bleibt versuchen Kerstin und ich etwas abzuschalten, die Eindrücke zu verarbeiten und die Spiele zu genießen, aber auch konzentriert zu bleiben, denn jetzt geht es erst richtig los. Das Ziel, worauf wir viele Jahre lang hingearbeitet haben liegt jetzt unmittelbar vor uns und wir wollen bis zum letzten Meter Gas geben, um dann am Ende voll zufrieden sein zu können.

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Blick auf die Sportplätze vom Zimmer aus

Was am Ende rauskommt kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich weiß aber, dass wir bis jetzt immer konzentriert gearbeitet haben und die nötigen 100% investiert haben. Auch weiß ich, dass das letzte Jahr mir trotz oder gerade wegen all der Anspannung und Nervosität zwischendurch so viel Spaß gemacht hat, dass ich nichts bereue und es auf jeden Fall damals die richtige Entscheidung gewesen war so viel zu investieren. Wir haben jetzt noch ein paar Tage Zeit bis wir dann endlich den Stöpsel ziehen und den Wasserfall ablassen! Wat muss dat muss.

Eure Marchi

Rudern in der Idylle

Irgendwann erreicht man ein Alter, an dem man die meisten Regattastrecken und Trainingsreviere kennt und die Momente, in denen man neue Bereiche kennenlernt werden immer seltener. Sabaudia, Sevilla, Ratzeburg, Poznan, Varese, Aiguebelette, Brandenburg, Luzern, und und und.. Alles keine Orte mehr, die für mich unbekannt sind.

Kerstin und Trampas, die schon öfters hier waren hatten immer von der Idylle, der Aussicht, dem See, dem Hotel, dem Essen, einfach dem gesamten Ambiente geschwärmt. An keinem anderen Ort könne man so entspannt und zugleich konzentriert trainieren wie in Weißensee. Umso aufregender war es für mich, den als schönsten Trainingslagerort angepriesenen Weißensee anzusteuern, um hier das erste von zwei Trainingslagern zwischen der Weltcup-Saison und den Spielen zu verbringen.

Mittlerweile sind wir 10 Tage hier und ich kann alles nur bestätigen. Schon bei der ersten Ausfahrt im Zweier war ich sehr beeindruckt von der Schönheit dieses Erholungsreviers. Das blaue – teilweise auch türkise – Wasser ist umgeben von Felswänden, Wald und Bergen. Wenn wir morgens zur ersten Einheit rausfahren erwarten uns schon ein paar Fischerböötchen, die in aller Seelenruhe umherschippern oder liegen, ein paar Anwohner schwimmen ihre Runden und das Ausflugsschiff macht sich bereit, um Passagiere an die „wohl schönsten Orte des Sees“ zu fahren.

Fischerboot bei der Arbeit

Wir ziehen es dann aber doch vor uns ruderisch fortzubewegen, weil wir neben der ganzen Idylle ja nicht vergessen wollen, warum wir hier sind – nämlich um besser zu werden. Diese Woche ist der Trainingsplan deshalb ganz schön voll gepackt. Neben vielen Einheiten im Zweier, versuchen wir uns ganz zur Freude der Skuller (die hier komplett vertreten sind) ab und an im Einer, schmeißen im Kraftzelte die Gewichte durch die Luft und brechen mit dem Mountainbike alle bisher aufgestellten Rekorde der Bergwertung. Im bergab-bremsen. Ein Highlight war dabei eine Radeinheit, bei der wir dachten den Rückweg aus Zeitgründen abkürzen zu können, indem wir direkt am Ufer die Laufstrecke entlangfahren. Der Weg wurde immer verwurzelter, was uns nach einigen Metern dazu zwang das Rad zu schieben. Nach noch mehr unbefahrbaren Metern schulterten Kerstin und ich die Räder, um nach einer Stunde irgendwann an einem Schild vorbeizukommen, dass sich nur von der anderen Seite lesen ließ.. „Ab hier nur für geübte Wanderer“ gAber gut, Spaß gemacht hat es trotzdem und wandern ist ja auch mal eine Abwechslung

Wandern statt radeln...
Wandern statt radeln…

 

Jeden dritten Tag fahren wir Strecken gegen den leichten und den schweren Doppelzweier. Das ist auch eine schöne Abwechslung, da wir in Dortmund bisher keine Trainingspartner hatten. So können wir auch im Training üben, uns an anderen Booten festzubeißen und unter Druck noch technisch gut zu rudern.

Die freien Nachmittage verbrachten wir bisher zum Beispiel mit einer kleinen Tour zur Minigolf-Anlage. Eine Ausfahrt mit der Dampfer steht auch noch auf dem Plan aber bald ist auch schon wieder Abreise und die Fischerboote brauchen keine Angst mehr haben, dass ihr Angelleinen von wild umherfahrenden Ruderbooten zerrissen werden.

Bis dahin

Eure Marchi

Hartmann/Marchand offiziel für Rio nominiert

Der Deutsche Oympische Sportbund (DOSB) hat gestern weitere Athleten offiziell für die olympischen Spiele im Sommer in Rio de Janeiro nominiert. Mit dabei: Der Frauen Zweier-ohne mit Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand.

Das Duo bereitet sich derzeit im Trainingslager im österreichischen Weißensee auf Olympia vor, danach geht es mit dem kompletten Nationalteam  in das letzte Trainingslager vor der Anreise nach Rio in Ratzeburg.

DOSB nominiert weitere 143 Athletinnen und Athleten für Rio

April, April, … der macht Winter!

Hallo zusammen!

Man könnte fast denken, dass wir wieder im Wintertraining sind, denn sowohl das Wetter, als auch unser Training passt perfekt zu dieser Jahreszeit.

Nach dem vierten Platz in Varese wussten wir woran wir arbeiten müssen und haben uns auch direkt wieder in die Arbeit gestürzt. Da wir ja noch 4 Monate Zeit haben bis wir topfit sein müssen, können wir auch noch gut die Grundlagen trainieren. Also Kraft, Rad, viel rudern, Ergo, Belastungen in den niedrigen Frequenzen – und all das mit Schnee (!), Wind und Regen. Eben wie im Winter.

20160422_133017Trampas filmt uns regelmäßig im Training, damit wir unsere Zusammenarbeit auch in Zeitlupe analysieren können und mehr ein Gefühl dafür bekommen, wie das, was wir im Boot spüren überhaupt aussieht.
20160422_081730Der Schwerpunkt liegt dieses Jahr für uns ganz klar auf dem rudern, aber man darf ja den Weitblick nicht vergessen und da ich im April 2017 mein Examen im
Medizinstudium anstrebe, muss ich dieses Sommersemester noch den Neurologie-Kurs belegen und die Klausur dazu bestehen. Sonst wird das im April nichts. Deshalb durfte ich diese Woche auch ins Krankenhaus, um bei Patienten den Patellrsehnenreflex zu überprüfen und diverse Kopfschmerzen zu befunden. Es ist aber ganz schön sich ab und an mal wieder vor Augen zu führen, dass sich nicht die ganze Welt ums rudern dreht und zur Ablenkung hilft es auch.

In diesem Sinne hoffe ich, dass euch das Wetter keine Kopfschmerzen bereitet 😉

Eure Marchi

 

Advent ist, wenn der Muskel brennt

Getreu diesem Motto starteten wir eine neue Trainingswoche in Sevilla. Bei fast schon sommerlichem Wetter haben wir die letzten Einheiten dort genutzt, um uns nochmal im Achter zu messen. Angefangen mit langen Ausdauer-Einheiten, in denen wir mit zwei Achtern „zusammen“ trainieren sollten, endeten wir jedes Mal in eine gefühlte 20km-lange Belastung bei Schlagzahl 20. Ganz schön anstrengend. Aber es hat Spaß gemacht mit beiden Achtern auf hohem Niveau zu trainieren und uns gezeigt, was unser Standard sein kann und auch werden muss. Zum Abschluss des Trainingslagers sind wir noch 2x 1000m gegeneinander gefahren und „fertig war die Laube“ wie unser Trainer Trampas zu sagen pflegt.

Bei der Rückreise – wie sollte es anders sein – erwartete uns wieder eine Überraschung. Diesmal aber nicht Iberia oder Vuelling geschuldet, sondern auf Grund eines DRV-internen Fehlers. Kurz gesagt – in unserer Flugliste stand eine falsche Abflugszeit und wir verpassten unseren Flieger um geschmeidige 2 Stunden. Da wir aber noch schnell andere Flüge buchen konnten, kamen wir trotz alledem pünktlich in Düsseldorf an und konnten uns auf zu Hause freuen.

Der Gegner schläft nicht und wer rastet, der rostet

IMG-20151220-WA0003Deshalb haben Kerstin und ich die Abwesenheit der Boote, die sich noch auf dem Weg nach Dortmund befanden, genutzt, um uns wieder auf das Zweierfahren einzustimmen und sind auf Slides geörgt. Das ist mal eine schöne Abwechslung zum stumpfen ergofahren, zumal man sich auf Slides tatsächlich wie im Boot fühlt, nur dass es nicht wackelt. Zum Ergo fahren kam intensivstes Krafttraining, bei dem wir es uns immer nicht nehmen lassen mehr Gewicht zu  nehmen als die andere. Wenn das nicht mehr geht, dann müssen größere Hantelscheiben genommen werden, die dann zumindest nach mehr Gewicht aussehen… 😉

Die letzten Tage bis Weihnachten werden wir auch noch gemeinsam trainieren und da meine Kommilitonen schon gen Heimat gereist sind bleibt mir nichts anderes, als die Zeit für mein Studium zu nutzen, was in Sevilla etwas auf der Strecke geblieben ist. Die Erholung kommt dann an den Weihnachtstagen, die ich mit meiner Familie in Leverkusen verbringen werde. Da gehört ein Besuch im Ballett „Der Nussknacker“ genauso zum Programm wie das alljährliche Wiedersehen mit meinen Schulfreunden.

Also euch allen einen frohen 4. Advent ohne dass irgendwas brennt 😉

Eure Marchi

Das Titelbild stammt von Tobias Schad