Alle Beiträge von Clara Redetzki

Die World University Championships in Poznan

 

Der Adh nominierte Charlotte Reinhardt, Constanze Duell, Friederike Reißig aus dem U23 Bereich und mich- Clara- auf der diesjährigen WUC (World University Championship) im Vierer vom 30. August bis 5. September in Poznan, Polen zu starten. Die studentischen Weltmeisterschaften sind ein Wettkampf, der in erster Linie dazu dient die Nachwuchsathleten an den Spitzenbereich im Übergang zwischen der U23 und der offenen Altersklasse heranzuführen. Man kann sich an der etwas gelockerteren Atmosphäre erfreuen und sich dennoch an einem sehr hohen sportlichen Niveau messen lassen- dieses Jahr gingen einige Sportler, die vor einigen Wochen bei den Olympischen Wettkämpfen dabei waren, an den Start. Für Constanze und mich war es die zweite WUC, denn wir durften vor zwei Jahren schon einmal in Frankreich teilnehmen. Wir freuten uns alle die doch lange und anstrengende Saison auf diesem in seiner Art besonderen Wettkampf zum Abschluss zu bringen.

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Regattastrecke Poznan

Am Dienstag der letzten Woche ging es für uns in aller Frühe mit dem Auto in Richtung Polen, wo uns die Regattastrecke auf dem Malta See mit Wind und Wellen, welche wir bis zum Ende der Regatta auch nie wieder ganz los wurden, begrüßte. Die Regattastrecke ist zentral gelegen und hat mich durch das Gefühl ständig „hautnah“ am Geschehen dabei sein zu können beeindruckt- die Startblöcke sind so gut wie nur eine Armlänge vom rundherum führenden Rad- und Gehweg entfernt.

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Startblöcke

Unsere Unterkunft war in den Studentenwohnheimen der Poznan University of Technology, die eben typisch studentisch war. Vorteilhaft waren die kurzen Wege von und zur Regattastrecke, zum Essen sowie zur Stadtmitte. Gewöhnungsbedürftig wiederum war die polnische Verkehrssituation bzw. -führung, die häufig zu einigen Schrecksekunden führte.

Die Eröffnungsfeier fand im Kulturzentrum der Stadt statt und steigerte dank beindruckender musikalischer Untermalung die Vorfreude auf die bevorstehenden Rennen. Da wir erst am Freitag Nachmittag mir unserem Vorlauf in das Renngeschehen eingreifen durften, haben die beiden vorangehenden Tage zum Training genutzt. Uns war mit wenigen gemeinsamen Trainingskilometern sicherlich eine Herausforderung gegeben, dennoch haben wir uns schnell angenähert und konnten ein gute Grundlage für die anstehenden Rennen legen.

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Foto: Steve McArthur via Rowing Celebration

In unserem Vorlauf konnten wir uns nach einem verhaltenen Start nach etwa 1100m vor die bis dahin führenden Britinnen legen und die Ziellinie als erstes Boot überqueren. Wir nahmen uns vor im Finale nicht ganz so viel Aufholarbeit leisten zu müssen.

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Im Finale sah der Rennverlauf ähnlich wie im Vorlauf aus, nur, dass wir uns schon vor der Streckenhälfte an die Spitze des Feldes legen konnten und die Führung bei widrigen Bedienungen bis ins Ziel nicht mehr abgegeben haben. Wir holten eine von 4 goldenen und 2 bronzenen Medaillen für die deutsche Mannschaft an diesem Tag.

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Die Rückfahrt verlief leider nicht ganz so reibungslos wie die Hinfahrt. Kurz vor Hannover fuhren wir geradewegs in eine Vollsperrung der Autobahn, die nicht nur den schönen Vorsprung, den wir uns vor dem Navi herausgefahren hatten, schnell wieder fraß, sondern uns auch fast 4 weitere Stunden Stillstand kostete.

Es bleibt vor allem auch der Dank an den Adh, der aus dieser WUC für uns Sportler ein tolles Ereignis und Erlebnis geschaffen hat. Wir sind froh, dass die duale Karriere einen Wert hat, der Adh sich so für die studierenden Spitzensportler Deutschlands einsetzt und den Spagat zwischen dem Studium und dem Sport in dem Maße würdigt.

Das Team Frauenachter verabschiedet sich hiermit bis zum Herbst. Es beginnt ein neuer Olympiazyklus und wir brauchen nun ein wenig Erholung um Kraft für die bevorstehenden Aufgaben zu tanken. Vielen Dank für die ganze Unterstützung- wir freuen uns auf euch, wenn es wieder los geht!

-Clara

Das erste Testwochenende 2015

Hallo ihr Lieben,

Die Woche begann mit einem trainingsfreien Tag, den wir nach dem anstrengenden Trainingsblock der letzten 3 Wochen alle gut gebrauchen konnten. Jeder konnte die Batterien aufladen und den Fokus auf das bevorstehende Testwochenende richten.

Wir durchlaufen in regelmäßigen Abständen Leistungskontrollen, die alle Aspekte unserer momentanen Leistungsfähigkeit und unserer Leistungsentwicklung wiederspiegeln. Am Freitag liessen wir unsere Muskeln spielen und duften zeigen wie viele Kilo wir maximal an verschiedenen Übungen bewegen können. Krafttraining steigert nicht nur unsere individuelle Muskelkraft, sondern schützt uns Sportlerinnen auch vor Verletzungen. Obwohl Rudern eine Sportart mit einem vergleichsweise geringen Verletzungsrisiko ist, müssen wir unseren Körper so stärken, dass er den vielen Kräften die beim Rudern auf uns wirken auch stand hält.

Die vielen vielen Tiefkniebeugen, Züge gegen die Bank, vom Boden auf die Schultern und teilweise sogar über Kopf haben ihre Wirkung gezeigt und wurden bei allen mit Steigerungen der Maximalkraftwerte belohnt. Auch wenn ich persönlich diesen Punkt noch nicht ganz erreicht habe, fühlt man sich ein bisschen wie Superwoman, wenn man das eigene Körpergewicht stemmen oder ziehen kann, die Gewichtscheiben dicker werden und die Hantelstange durch sie in verschiedenen Farben `geschmückt` wird.

Kurz nach dem Mittagessen sausten wir in 2 Achtern über den Kanal und haben uns an der Sonne, die im Gegensatz zu der am Anfang der Woche herrschenden winterlichen Temperaturen und dem Eis auf dem Kanal, erfreut. Nach vielen Stunden im Ergo- oder Kraftraum vergisst man leider schnell, wie gut Sonnenstrahlen tun und wieviel freier man an der frischen Luft atmen kann.

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Normalerweise scheucht uns Silvi jeden Freitag Nachmittag durch die Turnhalle und versucht uns mit Hilfe von Tanzschritten koordinativ zu schulen oder durch trügerisch leicht aussehende Übungen unsere Haltung und Rumpfstabilität zu verbessern. Da die eigentliche Mammutaufgabe in Form eines 10km Ergotests am Samstag noch bevor stand, hatte sie jedoch Nachsicht. Unsere vom Krafttest schmerzenden Muskeln haben wir durch verschiedene Yoga- und Dehnübungen etwas erholen können. Es war eine gute Gelegenheit mental ein bisschen runter zu fahren und den Kopf ein wenig zu entlasten.

In mehreren Gruppen wurden wir am Samstag nach der Vorbelastung in Form einer Stufenkontrolle über die 10km geschickt. Für manche war es das erste Mal, dass sie diesen Test durchlaufen mussten, andere hatten schon letztes Jahr das Vergnügen. Mit dem Wissen, dass die Distanz die fünffache unserer eigentlichen Wettkampfdistanz ist, sah man das ein oder andere angespannte und unsichere Gesicht vor dem Start.

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Wie vor jedem Test galt es allerdings alle Zweifel auszublenden und sich und seinem Körper zu vertrauen. Es ist leicht sich in den Momenten vor dem Startsignal verunsichern zu lassen. Gerade dann ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man die letzten Monate hart trainiert hat und die Werte der letzten Belastungen und Stufenkontrollen ein positives Ergebnis versprechen. Spätestens wenn das Startsignal fällt, wird man von der Energie und der Atmosphäre, die in dem Ergoraum herrschen, mitgerissen und man ist mittendrin. Über die Distanz ist die richtige Renneinteilung der Schlüssel zum Erfolg. Fängt man zu beherzt an, ist die Gefahr, dass einem die Körner ausgehen, groß. Traut man sich am Anfang zu wenig zu, bleibt das nagende Gefühl, dass man mehr hätte geben können. Fast alle haben die Strecke erfolgreich gemeistert und viele haben ihre Erwartungen übertroffen. Jeder ist um einen Ergotest und eine Erfahrung reicher und hatte die Chance etwas über sich und seine persönlichen Grenzen zu lernen.

Ein anstrengendes Testwochenende ging am Sonntag morgen nach einer langen Ausdauereinheit auf dem Wasser zu Ende. Zum Abschluss hat sich der Winter noch einmal von seiner unschönen Seite gezeigt und hat uns starke eisige Winde und Niederschlag in verschiedenen Formen beschert. Bald geht es ins Trainingslager nach Sabaudia, Italien, wo hoffentlich Sonnenstrahlen und Temperaturen jenseits der 15Grad Marke warten.

 

Eure Clara