Bronze gut, aber nicht alles gut

Hallo zusammen!

Hinter uns liegt eine ereignisreiche Woche. Zusammen mit Lea Kühne, Melanie Hansen und Ronja Schütte habe ich die WM der nicht-olympischen Bootsklassen in Rotterdam bestritten. Und nicht nur das: Wir haben Bronze gewonnen!

Nachdem wir im Achter die Qualifikation für die olympischen Spiele in Rio verpasst hatten, hatten wir uns entschlossen die Saison noch nicht zu beenden. Nun bin ich natürlich sehr froh über diese Entscheidung und auch ein bisschen stolz, dass wir so lange am Ball geblieben sind und durchgezogen haben. Die komplette Saison war sehr lang, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir mit der Qualifikationsregatta in Luzern schon Mitte Mai unseren ersten Saisonhöhepunkt hatten.

Doch auch jetzt heißt es für mich noch nicht die Sommerpause einzuläuten, es geht noch etwas weiter. Gleich morgen früh geht’s los nach Posen (Polen) um dort bei der Studenten-WM an den Start zu gehen. Dort werde ich zusammen mit Clara Redetzki, Constanze Duell und Friederike Reißig Vierer ohne fahren. Ich freue mich auf die Veranstaltung, bei der mir der Spaß am Sport und der Kontakt mit sportbegeisterten Studenten aus der ganzen Welt mindestens genauso wichtig ist wie das Abschneiden. Ich freue mich auf einen Wettkampf mit lockerer Atmosphäre und netten Leuten.

Obwohl ich sehr froh über die Bronzemedaille bin, mache ich mir auch Sorgen, wie es wohl in den kommenden Jahren mit dem Frauen-Riemen-Bereich in Deutschland weitergeht. Nur der Zweier ohne war bei Olympia, der dort den 8. Platz erreichen konnte, kein Achter in Rio. Auch im U23-Bereich sind die Ergebnisse der U23-WM (diese wurde zeitgleich mit der nicht-olympischen WM und der Junioren-WM in Rotterdam ausgetragen) in unserem Bereich alles andere als zufriedenstellend, sondern wohl eher besorgniserregend. Der U23-Achter musste sich leider gegen sehr starke Konkurrenten mit dem 6. Platz zufriedengeben, genauso wie der U23-Zweier. Der U23-Vierer belegte den 5. Platz. Der Juniorenbereich konnte wie seit vielen Jahren besser abschneiden. Der U19-Achter gewann Silber, der U19-Vierer Gold und der U19-Zweier belegte den 6. Platz. Aus der Erfahrung der letzten Jahre freue ich mich zwar über die guten Ergebnisse im Juniorenbereich, habe aber wenig Hoffnung, dass dies eine bessere Zukunft für den Frauen-Riemen-Bereich andeuten könnte. Seit Jahren sind wir sehr erfolgreich im Juniorenbereich, aber schon im U23-Bereich kommt davon leider wenig an, geschweige denn in der offenen Altersklasse. Viel zu oft hören viele Athletinnen nach großen Erfolgen im Juniorenbereich auf und hängen den Leistungssport an den Nagel. Allein dadurch fehlt im Seniorenbereich (beginnend mit U23) die Breite. Gründe mit dem Leistungssport aufzuhören gibt es zahlreiche und die meisten sind leider sogar sehr nachvollziehbar. Die berufliche Ausbildung neben dem täglichen Training ist sicherlich eine Herausforderung. Ausbildungen oder Studiengänge sind nicht darauf ausgelegt, dass man täglich noch viele Stunden trainiert. Und das Ganze für eine Randsportart, von der man auf Dauer ohnehin nicht leben kann? Solche Gedanken sind nur allzu verständlich. Es würde den Rahmen dieses Blogs jedoch sprengen darauf jetzt genauer einzugehen.

Unterm Strich muss es schon die Begeisterung am Sport an sich sein, die den Athleten antreibt. Aber abgesehen von den Athleten muss auch die Struktur im Frauen-Riemen-Bereich in Deutschland verbessert, wenn nicht sogar drastisch verändert werden, wenn wir Aussichten haben wollen einmal dahin zu kommen, wo wir vor gar nicht allzu vielen Jahren mal waren, nämlich in der Weltspitze.

Danke an alle Leser, die uns über die Saison begleitet haben! Es tut gut, neben aller Frustration immer wieder mitzubekommen, wie viele Leute hinter uns stehen. Ich nehme die Bronzemedaille als Motivation für weitere Jahre im Leistungssport und hoffe, dass sie als Symbol verstanden wird, dass wir im Frauen-Riemen-Bereich mehr wollen als wir in den vergangenen Jahren zeigen konnten.

Viele Grüße

Eure Charly

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Fotos: http://www.rudern.de