Wenn Träume wahr werden

Hallo ihr Lieben!

Diese Woche ist wohl eine der spannendsten seit sehr langer Zeit.

Ich kann mich noch gut an die Abschlussfeier der olympischen Spiele in London erinnern, als uns am Ende ein paar brasilianische Tänzer auf die Spiele in Rio 2016 eingestimmt haben. Damals habe ich noch gar nicht daran gedacht, ob ich dann überhaupt noch rudern werde, ob ich es dann ins Team schaffe. Wie mein Leben in 4 Jahren aussieht konnte ich mir noch nicht vorstellen, weil es in diesem Moment noch nicht wichtig war.

Seitdem hat sich einiges geändert. Mit jeder Trainingseinheit wusste ich immer mehr, dass ich es nach Rio schaffen will. Den Entschluss bis Rio weiterzumachen hatte ich also relativ schnell gefasst und da ich keine halben Sachen mache habe ich allen Ehrgeiz ins rudern gesteckt. Das hat mich selbst zwar auch einiges an Nerven gekostet aber Leistung geht nicht immer nur bergauf, man muss leider auch die Rückschläge in Kauf nehmen. Jetzt will ich hier aber keinen Revue-Blog schreiben, sondern berichten, was ich in dieser Woche erlebt habe.

Vor dem Abflug am Donnerstag blieben mir zwei schöne Tage zu Hause mit meiner Familie. Ein paar Freunde und meine Cousine mit Familie kamen einen Abend zum grillen vorbei und ich schaffte es ganz gut nochmal abzu

schalten und den Gedanken, dass etwas großes bevorsteht etwas wegzuschieben. Es tut immer gut, zwischen all den Trainingslagern und Wettkämpfen wieder etwas Erdung zu bekommen und sich über die alltäglichen Dinge des Lebens zu unterhalten. Wir leben zur Zeit so sehr in unserer eigenen Blase, dass man sehr schnell vergisst, dass der Sport nicht alles im Leben ist und dass es Sachen gibt, die mindestens genauso wichtig sind, auch wenn sie für mich derzeit sehr fern erscheinen.
Ich muss zugeben, dass ich die Nacht vor dem Flug nur sehr schlecht geschlafen habe. Immer wieder kam der Gedanke auf, dass morgen endlich der Tag ist, auf den wir so lange hingearbeitet haben. 4 Jahre lang haben wir alles getan, viele wichtige Menschen in unserem Leben mussten zurückstecken, außerruderische Freizeitaktivitäten wurden in den letzten Monaten immer weniger und wie ein Klub von innen aussieht weiß ich schon lange nicht mehr. Am morgigen Tag durften wir endlich die Reise antreten, die wir uns verdient haben. Ich musste an das Quali-Rennen auf der WM in Frankreich denken. 2sec langsamer und wir hätten es nicht geschafft. Überhaupt auf der WM im Zweier zu sitzen war nach dem Fahrradunfall zuvor schon ein Erfolg. Dann der ganze Winter. Jeden Tag bin ich aufgewacht und wollte es mir immer weniger nehmen lassen, am Ende nicht nur den Zweier qualifiziert zu haben, sondern auch drinzusitzen. Mit jedem Tag wurde der Wille stärker aber mit jedem Tag rückte auch das nationale Ausscheidungsrennen näher und die Nervosität stieg. Im Februar war dann klar, dass Kerstin und ich für den Zweier vorgeschlagen werden würden und das erste Ziel war erreicht. Da fiel mir ein großer Stein vom Herzen, denn jetzt konnten wir ‚entspannt‘ auf das nächste Ziel hinarbeiten: Olympisches Finale! Und morgen sollte der Tag kommen, an dem die Reise beginnt und wir zeigen können, was wir uns erarbeitet haben. Ich war voller Vorfreude.

Meine Eltern haben mich zum Bahnhof gefahren, von wo aus wir dann mit einem Teil der Mannschaft nach Frankfurt gefahren sind. Es sah schon schön aus, alle Mann und Frau einheitlich in derEinkleidung von Adidas.

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Etwas eng am Reck aber alles machbar

Am Flughafen angekommen bekam man dann immer mehr das Gefühl, dass jetzt etwas besonderes beginnt. Unser Gepäck haben wir an einem Sonderschalter abgegeben und im Flieger begrüßte der Kapitän die Olympiamannschaft. Nach einer kurzen Nacht sind wir auch pünktlich in Rio gelandet, von wo aus wir dann per Rio-Shuttle ins Dorf gebracht wurden. Aus London wusste ich ja schon ungefähr, was mich erwartet, aber dass es so gigantisch sein würde hätte ich nicht gedacht. An die 30 Hochhäuser mit jeweils 18 Stockwerken, in der Mitte ein Park mit Sportplätzen, Pool und Grünflächen, außenrum die Mensa, Krankenstation, Village Plaza, das NOC Büro, Athletes Area und ein unfassbar großer Fitnessraum. Die Eindrücke prasselten nur so auf uns ein und es hat mehr als einen Tag gedauert, bis wir wieder auf Betriebstemperatur waren und ein wenig Routine reinkam. Die nächste Zeit wird also viel Zeit für die kleinen Dinge des Lebens draufgehen. Zur Mensa läuft man 5-10min, die ‚Essensuche‘ dauert auf Grund der Größe weitere 10min, die Fahrt zur Strecke je nach Verkehr 50-70′. In den nächsten Tagen werden wir uns noch einen besseren Überblick über das Dorf verschaffen aber das dauert wohl ein paar Spaziergänge, bis man sich hier top auskennt.

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Blick aus dem Zimmer bei Nacht

In der restlichen Zeit, die uns bleibt versuchen Kerstin und ich etwas abzuschalten, die Eindrücke zu verarbeiten und die Spiele zu genießen, aber auch konzentriert zu bleiben, denn jetzt geht es erst richtig los. Das Ziel, worauf wir viele Jahre lang hingearbeitet haben liegt jetzt unmittelbar vor uns und wir wollen bis zum letzten Meter Gas geben, um dann am Ende voll zufrieden sein zu können.

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Blick auf die Sportplätze vom Zimmer aus

Was am Ende rauskommt kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich weiß aber, dass wir bis jetzt immer konzentriert gearbeitet haben und die nötigen 100% investiert haben. Auch weiß ich, dass das letzte Jahr mir trotz oder gerade wegen all der Anspannung und Nervosität zwischendurch so viel Spaß gemacht hat, dass ich nichts bereue und es auf jeden Fall damals die richtige Entscheidung gewesen war so viel zu investieren. Wir haben jetzt noch ein paar Tage Zeit bis wir dann endlich den Stöpsel ziehen und den Wasserfall ablassen! Wat muss dat muss.

Eure Marchi