Zurück im Geschehen

Hallo ihr Lieben,

Da bin ich also wieder. Zurück im Wettkampfgeschehen und das schneller als gedacht. Nach der verpassten Quali brauchte ich erst mal eine Weile Abstand vom Trainingsalltag und den täglichen Verpflichtungen, was den Sport angeht. Ich habe in der Zeit zwar weiterhin viel Sport getrieben, aber halt nur wann, wie und wo ich konnte und vor allem wollte. Das hat mir und meinem Kopf ziemlich gut getan und ich kann nun mit neuer Freude am Rudern und einer gesunden Portion Lockerheit an das Projekt Vierer ohne ran gehen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meinem Verein, dem Essen-Werdender Ruder-Club v. 1896, für die Unterstützung bedanken.

Nun rudern wir schon eine Weile zusammen und so langsam hat jede ihre Rolle und Aufgabe in dieser Konstellation gefunden. Vierer zu fahren hat seine ganz eigenen Herausforderungen und seine eigene Schönheit. Das Boot gibt einem direkte Rückmeldung über das was man selber und was die anderen so tun. Das hilft uns dabei uns aufeinander einzulassen und lässt uns deutlich spüren, wann das Boot vielleicht nicht mehr ganz so gut läuft. Ich genieße es, das Wasser unter dem Boot wegrauschen zu hören, das Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung zu spüren und zu merken wie wir das Boot im Freilauf an unseren Füßen haben und damit miteinander verbunden sind. Dieses Gespür für die Schönheit des Ruderns ist mit dem Abstand, den ich dazu hatte, wieder hervor gekommen.

Nicht unerwähnt möchte ich den wundervollen Abend bei Ralfs Vereinskollegen Rüdiger und seiner Frau Edith lassen, die uns zu sich nach Hause eingeladen haben. Da wir das Wochenende in Fühlingen auf der Regattabahn verbracht haben, um dort ein paar Strecken unter „Normalbedingungen“ zu fahren, hatte sich das ergeben.  Wir haben uns bei den beiden sehr wohl gefühlt und die netten Gespräche sehr genossen. Das Haus und die beiden werde ich wohl nie wieder vergessen.

Ich wünsche euch einen wundervollen Abend und eine gute Woche

Liebe Grüße

Ronja

PS: Auf dem Titelbild ist eins der Schätze zu sehen, die man bei Rüdiger entdecken konnte.

Vom Umbruch zur Routine

Vergangene Woche war für mich und den Frauenvierer eine von vielen Trainingswochen auf dem Weg zur nicht-olympischen WM in Rotterdam Ende August.

Nachdem sich Alex Höffgen aus persönlichen Gründen gegen die Teilnahme an der WM entschieden hatte, hatten wir ohne große Probleme Ersatz gefunden: Ronja Schütte, welche ja auch mit uns im Frauenachter für die Olympiaqualifikation saß, erklärte sich bereit ab sofort mit Lea Kühne, Melanie Hansen und mir den Vierer für die WM vorzubereiten. Nachdem wir uns ein paar Einheiten aneinander gewöhnt hatten, konnten wir weitere Fortschritte machen.

Die Woche verlief trainingstechnisch ziemlich normal ab. Oft machen wir einen „zweieinhalb-Tage-Rhythmus“. Das bedeutet, dass wir 2 Tage hintereinander „durchtrainieren“, also 2-3 Einheiten am Tag machen. Das könnte zum Beispiel so aussehen: morgens Rudern, mittags Rumpfkräftigung und Dehnung, nachmittags noch einmal rudern. Die Einheiten im Ruderboot dauern in der Regel etwa 90 Minuten. Alternativ könnte statt einer Rudereinheit auch Krafttraining auf dem Plan stehen, was ungefähr gleich viel Zeit in Anspruch nimmt. Am dritten Tag steht dann nur eine lange Einheit an, danach maximal noch eine kurze Ausdauereinheit, etwa auf dem Rad oder laufend oder einfach nur Gymnastik. Der Nachmittag ist frei und dient der Regeneration, damit man am nächsten Tag einigermaßen erholt in den nächsten „zweieinhalb-Tage-Zyklus“ starten kann.

Ganz nach diesem Rhythmus war also das Training der letzten Woche geplant, bis auf eine Ausnahme: ein trainingsfreier Sonntag, ein eher seltene Begebenheit… Umso mehr kann man einen freien Tag genießen. Ich nutzte die Zeit um ab Samstagnachmittag meine Familie in Köln zu besuchen, sowas kommt im Leben eines Leistungssportlers leider oft zu kurz.

Soweit von mir – aus der vergangenen Woche gibt es nicht viel zu berichten. Ich freue mich schon auf Donnerstag, denn ab dann werden Lea, Melanie, Ronja, unser Trainer Ralf und ich wieder in Dortmund vereint sein um den Vierer weiter voranzubringen. Es ist noch ein weiter Weg bis zur WM, aber fünf Wochen gehen schneller um als man denkt. Wir halten uns also ran!

Ich wünsche allen Lesern eine schöne Woche!

Liebe Grüße

Eure Charly

 

Foto: Vierertraining aus der Sicht unseres Trainers Ralf vom Motorboot aus

Die Freude auf Olympia wächst

Olympia rückt immer näher- das wurde uns in dieser Woche noch mal allzu deutlich! Während wir die letzten Tage der Unmittelbaren Wettkampfvorbereitung Teil 1 in Weissensee (Österreich) verbrachten, wurde die Zeit genutzt, um uns Sportlern eine Einführung in die medizinischen Verhaltensweisen für Brasilien zu geben. Dafür reiste unser Verbandsarzt Ulli Kau an, um uns in einem sehr unterhaltsamen Vortrag unter anderem über die Mücken in Rio und die Wasserqualität zu informieren. An diesem Abend wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass es nur noch drei Wochen sind, ehe unser Flieger Richtung Brasilien abhebt!
Ein weiteres Highlight in dieser Woche war die Einkleidung am Freitag- hierfür fuhren wir mit den anderen Ruderern nach Hannover, wo in einer großen Kasernenhalle alle Kleidung (Freizeit-, Einmarch-, Anreise-, Siegerehrungskleidung) zum Anprobieren für uns bereitlag! Voller Vorfreude stürzten wir uns auf die Stände und konnten zum ersten Mal live sehen, was wir in Rio jeden Tag tragen werden. Die Einkleidung ist sehr farbenfroh, was ich passend für Rio finde und es sind wirklich viele schöne Teile dabei!

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Am Dienstag geht es für zwei Wochen in die Unmittelbare Wettkampfvorbereitung Teil 2 nach Ratzeburg. Dazwischen haben wir jetzt noch ein paar Tage, in denen wir unser Training individuell gestalten dürfen und so Kraft tanken können für den absoluten Höhepunkt in diesem Jahr- die Olympischen Spiele!!!

Ich freue mich riesig auf die kommenden Wochen,
eure Kerstin

Rudern in der Idylle

Irgendwann erreicht man ein Alter, an dem man die meisten Regattastrecken und Trainingsreviere kennt und die Momente, in denen man neue Bereiche kennenlernt werden immer seltener. Sabaudia, Sevilla, Ratzeburg, Poznan, Varese, Aiguebelette, Brandenburg, Luzern, und und und.. Alles keine Orte mehr, die für mich unbekannt sind.

Kerstin und Trampas, die schon öfters hier waren hatten immer von der Idylle, der Aussicht, dem See, dem Hotel, dem Essen, einfach dem gesamten Ambiente geschwärmt. An keinem anderen Ort könne man so entspannt und zugleich konzentriert trainieren wie in Weißensee. Umso aufregender war es für mich, den als schönsten Trainingslagerort angepriesenen Weißensee anzusteuern, um hier das erste von zwei Trainingslagern zwischen der Weltcup-Saison und den Spielen zu verbringen.

Mittlerweile sind wir 10 Tage hier und ich kann alles nur bestätigen. Schon bei der ersten Ausfahrt im Zweier war ich sehr beeindruckt von der Schönheit dieses Erholungsreviers. Das blaue – teilweise auch türkise – Wasser ist umgeben von Felswänden, Wald und Bergen. Wenn wir morgens zur ersten Einheit rausfahren erwarten uns schon ein paar Fischerböötchen, die in aller Seelenruhe umherschippern oder liegen, ein paar Anwohner schwimmen ihre Runden und das Ausflugsschiff macht sich bereit, um Passagiere an die „wohl schönsten Orte des Sees“ zu fahren.

Fischerboot bei der Arbeit

Wir ziehen es dann aber doch vor uns ruderisch fortzubewegen, weil wir neben der ganzen Idylle ja nicht vergessen wollen, warum wir hier sind – nämlich um besser zu werden. Diese Woche ist der Trainingsplan deshalb ganz schön voll gepackt. Neben vielen Einheiten im Zweier, versuchen wir uns ganz zur Freude der Skuller (die hier komplett vertreten sind) ab und an im Einer, schmeißen im Kraftzelte die Gewichte durch die Luft und brechen mit dem Mountainbike alle bisher aufgestellten Rekorde der Bergwertung. Im bergab-bremsen. Ein Highlight war dabei eine Radeinheit, bei der wir dachten den Rückweg aus Zeitgründen abkürzen zu können, indem wir direkt am Ufer die Laufstrecke entlangfahren. Der Weg wurde immer verwurzelter, was uns nach einigen Metern dazu zwang das Rad zu schieben. Nach noch mehr unbefahrbaren Metern schulterten Kerstin und ich die Räder, um nach einer Stunde irgendwann an einem Schild vorbeizukommen, dass sich nur von der anderen Seite lesen ließ.. „Ab hier nur für geübte Wanderer“ gAber gut, Spaß gemacht hat es trotzdem und wandern ist ja auch mal eine Abwechslung

Wandern statt radeln...
Wandern statt radeln…

 

Jeden dritten Tag fahren wir Strecken gegen den leichten und den schweren Doppelzweier. Das ist auch eine schöne Abwechslung, da wir in Dortmund bisher keine Trainingspartner hatten. So können wir auch im Training üben, uns an anderen Booten festzubeißen und unter Druck noch technisch gut zu rudern.

Die freien Nachmittage verbrachten wir bisher zum Beispiel mit einer kleinen Tour zur Minigolf-Anlage. Eine Ausfahrt mit der Dampfer steht auch noch auf dem Plan aber bald ist auch schon wieder Abreise und die Fischerboote brauchen keine Angst mehr haben, dass ihr Angelleinen von wild umherfahrenden Ruderbooten zerrissen werden.

Bis dahin

Eure Marchi