Life goes on…

Hallo zusammen,

12 Tage, nachdem ich mit dem Frauenachter die Qualifikation für Oylmpia in Rio verpasst habe, schreibe ich heute diesen Blog. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie haben wir das Ganze verkraftet und was kommt jetzt? Vielleicht kann ich euch einen kleinen Einblick geben, wie meine(unsere) Situation gerade aussieht.

Ich fange mal ganz von vorne an: Nachdem wir im letzten Jahr auf der WM im Achter den 10. Platz belegt und damit die frühzeitige Qualifikation für Rio nicht erreicht hatten, hat der deutsche Ruderverband dem Frauen-Riemen-Bereich einen neuen Bundestrainer zugeteilt: Ralf Müller. Zusammen mit Ralf haben wir seit November kontinuierlich und über 3 Trainingslager konsequent im Achter gearbeitet, seit Mitte Februar mit der endgültigen Besetzung. Ich glaube, ich spreche für so gut wie alle aus dem Team, wenn ich sage, dass wir das Gefühl hatten den Achter in die richtige Richtung zu bringen – Richtung Rio. Mit einem guten Gefühl also gingen wir Mitte April beim ersten Weltcup in Varese an den Start. Doch leider mussten wir uns den 3 Gegnern aus Canada, Russland und den Niederlanden geschlagen geben, wobei letztere sogar auch noch nicht qualifiziert waren. Ich würde nicht sagen, dass wir mit einem schlechten Gefühl wieder abgereist sind. Vielmehr waren wir im Geschäft angekommen und erkannten, dass wir eine wirklich große Aufgabe vor uns hatten, die alles andere als leicht werden würde zu meistern. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf und weiteren Fortschritten im Training reisten wir als nächstes zur Heim-EM in Brandenburg an um dort zum ersten Mal in dieser Saison auf Rumänien zu treffen – neben Holland einem weiteren Anwärter auf die letzten beiden Tickets für Rio. Trotz krankheitsbedingter Ausfälle (ich konnte leider nur im Finale antreten), war das Ergebnis war in Ordnung: 4 Sekunden hinter Rumänien, 5. Platz insgesamt. Wir wussten aber auch, dass wir zweieinhalb Wochen später Rumänien schlagen müssten.

Die letzten 2 Wochen vor der Qualifikationsregatta nutzten wir noch einmal ordentlich aus. Leider hatten wir auch in dieser Zeit gesundheitliche Probleme innerhalb der Mannschaft, wir wussten uns aber zu helfen und haben mit unseren Ersatzleuten genauso Fortschritte machen können.

Ich bin optimistisch zur Quali angereist. Eine positive Einstellung ist meiner Meinung nach vor so einer wichtigen Aufgabe das „A und O“.  Schon das Bahnverteilungsrennen hat uns erneut gezeigt, wie stark unsere Gegner sind und was für ein hohes Niveau im Frauenachter weltweit herrscht. Hinzugekommen waren Australien und China, gegen die wir in Luzern das erste Mal in diesem Jahr antraten. Unsere „alten Freunde“ Rumänien und die Niederlande belegten Platz 1 und 2 mit einem deutlichen Vorsprung vor Australien, uns und schließlich China, die wir noch im Endspurt geknackt hatten. Das Rennen war nicht zufriedenstellend. Um unter die ersten beiden Plätze zu kommen und damit das Ticket für Olympia zu lösen, würden wir noch ordentlich einen draufsetzen müssen.

Finaltag – heute würden wir endlich Bescheid wissen: Fahren wir nach Rio, oder nicht? Schaffen wir es durch das „Rennen unseres Lebens“ uns von den alten Ergebnissen zu lösen und ein Wunder passieren zu lassen?

Wir haben es nicht geschafft. Jede einzelne hat ihr Bestes gegeben und bis zum letzten Schlag gekämpft, doch wir waren den anderen Nationen einfach unterlegen und kamen als 5. Boot ins Ziel. Es ist eine riesige Enttäuschung für uns alle und dass man es hätte erwarten können, macht es nicht erträglicher. Jeder hat extrem viel investiert, am Ende aber hat es nicht gereicht. Trotz der großen Enttäuschung fällt für mich auch eine Last von den Schultern. Es tut gut endlich Klarheit zu haben, sodass man den Blick wieder auf andere Dinge richten kann.

Wie geht es jetzt weiter? Nachdem wir den Achter nicht für Olympia qualifizieren konnten, gibt es für uns nun die Möglichkeit sich für den 4er ohne für die nicht-olympische WM in Rotterdam zu bewerben. Aus dem Achter sind noch 4 Leute dabei: Alex, Lea, Melanie und ich. Außerdem wird Clara Redetzki auch noch mitmachen. Auch, wenn es nur unser Plan B ist, freue ich mich darauf. Es wird bestimmt ein schönes und vor allem großes Ereignis – es wird nicht nur die offene Altersklasse, sondern auch U19 und U23 ausgetragen. Für mich besonders schön, denn für meinen Bruder sieht es aus, als würde er sich für den U23 Männerachter qualifizieren. Wir könnten also eine WM gemeinsam rudern. Abgesehen vom Rudern werde ich auch noch ein bisschen für die Uni tun, es tut mir gut den Kopf mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Auch wenn der Traum von Rio geplatzt ist – der Traum von Olympia bleibt.

Liebe Grüße

Eure Charly

 

Foto: Blick aus unserem Hotelzimmer in Luzern