Großereignis Heim-EM

Vergangene Woche durften wir etwas erleben, was nicht jedem Leistungssportler in seiner aktiven Laufbahn vergönnt ist – die Teilnahme an einem Großereignis im eigenen Land. In unserem Fall die diesjährige Rudereuropameisterschaft in Brandenburg an der Havel. Ob wir bei diesem Wettkampf den Heimvorteil ausspielen könnten war zu Beginn der Woche allerdings noch dahingestellt.

 

Wir begannen die Woche wie wir die vorangehende beendet hatten. Gestärkt von einem großartigen Spieleabend am Sonntagabend zu dem Charlotte (Position 5) uns alle eigeladen hatte (um eine optimale Wettkampfvorbereitung zu generieren verblieben diesmal auch die nicht in Dortmund wohnenden Athleten am Stützpunkt), saßen wir Montagmorgen alle zusammen wieder im 8+. Vor einem Wettkampf werden die Einheiten immer kürzer, dafür umso konzentrierter und mit mehr schnellen Schlägen bestückt, sodass wir fit und frisch am Mittwoch nach Brandenburg anreisten.

 

Die dortige Strecke ist uns allen mehr als gut bekannt. Ich selbst erinnere mich gern an meine erste Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften 2007 im Einer oder an mein erstes A-Finale im Zweier ohne Steuerfrau, welches ich dort im letzten Jahr errudert hatte. Jetzt also Europameisterschaften im Frauenachter.

 

Leider musste Charlotte erst einmal krankheitsbedingt aussetzten, sodass Jule ihren Platz in den Trainingseinheiten und sogar in den ersten beiden Rennen einnahm. Dies brachte uns aber gar nicht aus der Ruhe. Da wir die meiste Zeit sowieso alle zusammen trainieren und Jule ja bereits auch den Worldcup in Varese im Achter gerudert war, harmonierte alles wie gehabt und sollte uns nicht hindern unser Bestes zu geben.

 

Auf den Achter aus Rumänien legten wir im Vorlauf besonderen Augenmerk, da wir beim alles entscheidenden Olympiaqualifikations-Rennen in zwei Wochen auch gegen dieses Team antreten. Nach einem dem starken Seitenwind geschuldeten etwas holprigen Start kamen wir aber sehr gut in Tritt und konnten bis über die Streckenhälfte hinaus gut mit Rumänien mithalten und beendeten das Rennen hinter Großbritannien und Rumänien auf Rang drei. Spätestens nach diesem Rennen war uns klar, dass Rumänien nicht unbezwingbar sei und dass wir sie im Hoffnungslauf am nächsten Tag noch weiter bedrängen wollten. Leider ging diese Rechnung nicht ganz auf. Merke, schlimmer geht immer, und so viel es uns im Hoffnungslauf wesentlich schwerer mit den noch widrigeren Bedingungen zu Recht zu kommen. Abhaken, das Finale erreichten wir trotzdem mit Platz drei und so bot sich am Sonntag unsere nächste Chance. Mit Charlotte wieder an Bord wollten wir diese auch nutzen und vor der Olympiaqualifikation in zwei Wochen noch einmal ein Ausrufezeichen setzten. Ein Ausrufezeichen setzte erst einmal der strenge Seitenwind, weshalb sogar alle Rennen eine Stunde vorgezogen wurden. Am Start auf der Bahn ganz unter Land wurden uns sogar von den „worldrowing“-Kommentatoren die geringsten Chancen zugesprochen. Nichts desto Trotz starteten wir mit dem Willen allen Widrigkeiten zu trotzen und mit Hinblick auf die Olympiaqualifikation ein starkes Rennen abzuliefern. Entschlossen ließen wir uns von Nichts aus der Ruhe bringen. Kein Hängenbleiben und keine Wasserfontänen konnten uns von unserem Rhythmus abbringen, sodass wir diesmal noch länger als im Vorlauf Level um Level mit den Rumäninnen mithielten. Wir erkannten unsere Chance und wollten unbedingt am Boot neben uns vorbei nur leider kamen wir erneut nicht komplett vorbei und auf den letzten Metern fuhren uns die Rumäninnen sogar noch einmal davon. Den Grund dafür werden wir sobald wir wieder in Dortmund zusammen kommen genau analysieren damit es in zwei Wochen nicht erneut für den Gegner aus dem Osten ausgeht. Am Ende erreichten wir Platz fünf hinter dem Sieger aus Großbritannien, den Niederlanden, Russland und eben Rumänien. Hinter uns blieben Weißrussland und die Ukraine, welche bereits im Hoffnungslauf ausschied.

Großartig war wie erwartet die Stimmung an der Regattastrecke. Ich weiß nicht ob ich jemals unter so lauten Anfeuerungen die letzten 250 Meter eines Rennens fahren durfte. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die nach Brandenburg gereist sind um unser Team lautstark zu unterstützen. Außerdem ein großes Dankeschön an alle, die die Leistungen unseres Teams möglich machen. Physios und Ärtze aber auch vor allem die Unterstützung von unseren Familien und Freunden, von welchen auch viele vor Ort waren, macht dieses Projekt erst möglich.

 

Zusätzlich zu Rumänien werden wir am 24. Mai um 18.00 gegen die Niederlande und die bislang unbekannten Boote aus China und Australien antreten. Die beiden ersten Boote, die die Ziellinie überqueren, gewinnen ein Ticket zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und glaubt mir … wir werden diese Woche im Training und in diesem besonderen Rennen alles daran geben eines dieser Tickets zu ergattern. Also, wünscht uns Glück!

 

Eure Lea

 

Foto: rudern.de