Nach der Saison ist vor der Saison

Hallo zusammen,

Seit der WM sind nun drei Wochen vergangen, in denen wir Mädels aus dem Team Frauenachter die vergangene Saison verarbeiten und neue Kräfte sammeln konnten. Ich habe die Tage genutzt um meine Familie in Ulm zu besuchen und außerruderische Freundschaften zu pflegen. Außerdem war ich mit meinem Freund in den slowenischen Alpen wandern und den darauf folgenden Muskelkater kurierte ich am Mittelmeer aus 🙂 Klingt erst mal alles nach einer entspannten Zeit, was es letztlich auch war.
Allerdings ist es ganz nicht so leicht, das Thema Rudern nach der WM von heut auf morgen zu Seite zu schieben, wenn es einen davor 11 Monate ununterbrochen beschäftigt hat.
Mit dem 8. Platz waren Kathrin und ich nach unserem ersten internationalen Wettkampf zwar erst mal relativ zufrieden, bedeutet er immerhin einen Quotenplatz für den deutschen Frauenzweier bei den Spielen in Rio, nichts desto trotz war die gesamte Saison sehr frustrierend, da unser eigentliches Ziel ja war, den Frauenachter voran zu bringen und für Olympia zu qualifizieren. Dementsprechend waren die ersten Tage getrübt durch die Gedanken, was schief gelaufen ist, warum es nicht gereicht hat und vor allem: wie kann der kommende Winter genutzt werden um doch neben dem Zweier neun weiteren Frauen die Chance zu geben, an den olympischen Spielen teilzunehmen?
Nach ein paar Tagen gelang es mir aber, den Kopf frei zu bekommen und die ruderfreie Zeit zu nutzen.

Nun steht die kommende olympische Saison vor der Tür und ab morgen wird der Fokus wieder aufs Rudern gelenkt!
Nächstes offizielles Kräftemessen wird die Langstrecke im Zweier und der Ergotest Ende November in Dortmund sein!

Bis dahin,

Eure Kerstin

Hartmann/Marchand lösen Olympia-Ticket

Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand haben das Olympia-Ticket gelöst. Das Duo belegte im B-Finale bei den Weltmeisterschaften einen hervorragenden zweiten Platz und schaffte damit als siebtes Boot der DRV-Flotte die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Rio.

„Beste Performance“

Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand im Ziel.
Erschöpft, aber glücklich: Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand im Ziel.

„Das war ein richtig gutes Rennen. Auf allen Teilstücken haben wir uns zu den Rennen vorher noch verbessert. Sie haben sich von Rennen zu Rennen gesteigert und im B-Finale die beste Performance hingelegt. Ich bin stolz auf die Beiden, aber wer ist das heute nicht“, sagte Trainer Werner Nowak hocherfreut. Hartmann/Marchand belegten auf der ersten Streckenhälfte den fünften Rang und fuhren dann vorbei an den Booten aus den Niederlanden, Frankreich und Polen vor auf Rang zwei. Nur der Zweier aus Rumänien war schneller.

Marchand kollabierte kurzzeitig im Ziel

Akrobatische Leistung: Kerstin Hartmann musste das Boot allein in den Steg steuern, weil ihre Partnerin kollabiert war
Akrobatische Leistung: Kerstin Hartmann musste das Boot allein in den Steg steuern, weil ihre Partnerin kollabiert war

Der Zweier gab alles. Im Ziel erlitt Kathrin Marchand einen Kreislaufkollaps und wurde mit einem Begleitboot an einen Steg gefahren und medizinisch versorgt. Wenig später ging es ihr aber schon besser, während Kerstin Hartmann anfangs allein und dann mit Unterstützung von Sophie Paul das Boot Richtung Sattelplatz manövrierte.

Nowak: „Besser geht es in der Kürze der Zeit nicht“
Zufrieden war Trainer Nowak über die Entwicklung des Zweiers, der erst Mitte Juli zusammengesetzt wurde. „Besser geht es in der Kürze der Zeit nicht. Ich glaube, das der Zweier mit einer längeren Vorbereitung und mehr Wettkämpfen durchaus im A-Finale hätte mitfahren können. Das ist aber Spekulation. Das Ergebnis mit dem achten Platz geht voll in Ordnung“, so der Trainer.

Der Frauenachter kam im B-Finale nicht über den vierten Platz hinaus. Hier gewann Rumänien vor Australien und China. Gold ging an den favorisierten Achter aus den USA. Die weiteren Medaillen gewannen Neuseeland (Silber) und Kanada (Bronze). Die weiteren Olympiaplätze sicherten sich Großbritannien als Vierter und Russland (5.). Der holländische Achter muss als Sechster im WM-Finale ebenso in die olympische Nachqualifikation wie Rumänien, Australien, China und eben Deutschland.

Der Vierer mit Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul
Der Vierer mit Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul

An der erhofften Medaille vorbei fuhr der Vierer ohne Steuerfrau. Im Finale der nicht-olympischen Bootsklasse belegten Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul den undankbaren vierten Platz. Zwar gelang es ihnen, Irland deutlich hinter sich zu lassen, an den Chinesinnen (Bronze) kamen sie aber trotz aller Bemühungen nicht vorbei. Gold ging an die USA, Silber an Großbritannien.

Zweier hat Olympia-Ticket fest im Blick

Zum Finaleinzug fehlten zwei Sekunden, mit Platz vier im Halbfinale hinter den USA, Südafrika und Kanada haben sich Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand im Zweier ohne Steuerfrau eine gute Ausgangssituation für den Kampf ums Olympia-Ticket verschafft. „Nach dem guten Start sind wir ökonomisch über die Mitte gekommen und der Endspurt war dann sehr, sehr gut“, meinte Hartmann zufrieden.

Bei der 1.500-Meter-Marke lagen Hartmann/Marchand noch auf dem fünften Rang, legten sich dann aber mächtig ins Zeug und kämpften sich im Finish an die anderen Boote heran. Mit den zweitschnellsten letzten 500 Metern aller Halbfinalisten fuhren sie an den Holländerinnen vorbei und bis auf Sekunden auf die drittplatzierten Kanadierinnen heran. „In der kurzen Vorbereitungszeit, die wir hatten, haben sie es gut hingekriegt“, meinte Trainer Werner Nowak: „Nach dem Vor- und Hoffnungslauf haben wir noch Reserven entdeckt. Dieses Halbfinale sollte ihnen weiteres Selbstvertrauen geben.“

Für das gesteckte Ziel, die Olympia-Qualifikation des Zweiers reicht im B-Finale am Samstag um 12 Uhr der elfte Platz. Das heißt: nur der Letzte schafft es nicht. Entsprechend umkämpft werde das Rennen sein. „Im B-Finale fahren alle um ihr Leben. Da wird einem nichts geschenkt“, meinte Kathrin Marchand und fügte optimistisch hinzu: „Wenn ein ähnliches Rennen wir im Halbfinale hinbekommen, sollten wir es schaffen.“

Frauenachter ernüchtert: Sechster im Hoffnungslauf

Platz sechs im Hoffnungslauf – mehr war für den Frauenachter nicht drin. Damit ist eingetroffen, was zu befürchten war. Das weibliche Großboot verpasste den Einzug in den Endlauf und damit die Chance, das Olympia-Ticket auf direktem Weg zu ergattern. Die Frauen müssen auf die zweite Chance in der Nachqualifikation im kommenden Jahr setzen. Denn nur fünf der sechs Finalisten schaffen es bei der WM in Aiguebelette auf direktem Weg nach Rio 2016.

Im Ziel lag der Frauenachter eine Länge auf Australien und China zurück.
Im Ziel lag der Frauenachter mit einer Bootslänge auf Australien und China zurück.

Das Großboot geriet wie schon im Vorlauf früh in Rückstand. Den Kampf um die begehrten Finalplätze machten schließlich Großbritannien, Russland und Rumänien unter sich aus. Nicht gut ins Rennen kamen neben dem deutschen Frauenachter auch Australien und China. „Auf den ersten 500 Metern handeln wir uns den entscheidenden Rückstand ein“, meinte Trainer Thomas Affeldt. Im Ziel waren es schließlich über neun Sekunden auf das britische Siegerboot sowie eine Länge auf die fünftplatzierten Australierinnen. „Nun gilt es, die Wunden zu lecken. Und im kleinen Finale wollen wir versuchen, China und Australien einen Fight zu liefern“, so Affeldt.

Vierer mit Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul im Bahnverteilungsrennen
Der Vierer mit Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul im Bahnverteilungsrennen.

Heute erst ist der Vierer ohne Steuerfrau in die WM eingestiegen, da in dieser Bootsklasse nur fünf Boote gemeldet haben. Constanze Duell, Constanze Siering, Katrin Reinert und Sophie Paul belegten im Bahnverteilungsrennen den vierten Platz hinter den USA, Großbritannien und China. Das Boot aus Irland wurde Fünfter. Das war ein erster Vorgeschmack auf das Finale am Freitag. Nach den Ergebnissen vom heutigen ersten Vergleich sind China und Irland zu schlagen, um eine Medaille gewinnen zu können.

Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand treffen im morgigen Zweier-Halbfinale (Start: 10.00 Uhr) auf Frankreich, Kanada, die Niederlande, die USA und Südafrika. Die ersten drei Boote erreichen das Finale.

Zweier im Halbfinale – kurzer Schockmoment

Der Kampf ums Olympia-Ticket geht für Kerstin Hartmann und Kathrin Marchand weiter. Im Zweier-Hoffnungslauf belegte das Duo einen sicheren zweiten Platz hinter Rumänien und zog ins Halbfinale bei den Weltmeisterschaften in Aiguebelette ein. „Wir sind erleichtert. Der elfte Platz ist in Reichweite, aber wir sind zuversichtlich, noch einige Boote hinter uns zu lassen“, meinte Kathrin Marchand. Platz elf und damit die Olympia-Qualifikation ist das große Ziel des erst nach dem Weltcup in Luzern neu zusammengesetzten Zweiers.

Hartmann/Marchand ließen sich auf der ersten Streckenhälfte nicht aus der Ruhe bringen, lagen sie doch hinter Rumänien und der Ukraine nur auf dem dritten Rang. Das hätte nicht gereicht, aber sie hatten auch damit gerechnet, dass die Ukrainerinnen überzogen hatten und einbrechen würden. Sie kam es schließlich auch. Auf der zweiten Streckenhälfte fuhren sie einen Vorsprung von fünf Sekunden heraus – und doch stockte der Atem der deutschen Zuschauer am Ufer des Lac d’Aiguebelette für einen kurzen Moment. Kathrin Marchand hatte zwei Schläge vor der Ziellinie aufgehört mit dem Rudern. „Ich dachte, wir sind durch. Als ich merkte, dass dies nicht der Fall ist, war ich geschockt. Da hab ich einen Adrenalinkick gekriegt – das war das Aufregendste am ganzen Rennen“, beschrieb die Schlagfrau den Moment. Zum Glück war der Vorsprung auf die Tschechinnen so groß, dass nichts mehr anbrannte. Marchand: „Das passiert mir nicht noch einmal. Nächstes Mal fahre ich so lange durch, bis wir hinten anstoßen.

Der Frauenachter im Vorlauf bei der WM in Aiguebelette: Steuerfrau Laura Schwensen, Ronja Schütte, Michaela Schmidt, Daniela Schultze, Charlotte Reinhardt, Alexandra Höffgen, Stella Bleich, Anne Becker und Julia Wärmer.
Der Frauenachter im Vorlauf bei der WM in Aiguebelette.

Für den Frauenachter geht es im Hoffnungslauf am Mittwoch um 13.20 Uhr schon um Alles oder Nichts. Nur fünf Boote können hier vorzeitig das Olympia-Ticket lösen – da ist das Finale Pflicht. Da sich bereits vier Achter über die Vorläufe für den Endlauf qualifiziert haben, sind nur noch zwei Plätze frei. Großbritannien, Rumänien, Europameister Russland, Australien und China sind Gegner der deutschen Crew um Schlagfrau Ronja Schütte. „Die Briten sind klarer Favorit. Es wäre eine sehr große Überraschung, wenn wir Zweiter werden“, meinte Trainer Thomas Affeldt. Er will aber nichts unversucht lassen: „Keine Frage, wir fahren voll. Wir müssen uns aber am oberen Bereich des Möglichen bewegen, wenn wir es schaffen wollen.“ Er hofft, dass der Frauenachter im Gegensatz zum Vorlauf (Fünfter hinter Kanada, Neuseeland, Rumänien und Australien), mit einem guten Start ins Rennen kommt und hier auch das Tempo der anderen Boote mitgehen kann.